Mantua, Italy
Es ist kein Nachteil, dass die Massen achtlos an Mantua vorbeifahren, so bleibt die Stadt den Liebhabern vorbehalten. Mantua liegt auf der direkten Route in die Toskana, und wenn Reisende einen Zwischenstopp machen, dann meist am Gardasee oder in Verona. Eigentlich unverständlich, denn Mantua ist ein Traum für Spaziergänger und eine der entspanntesten Städte Norditaliens, perfekt gelegen an einer lang gezogenen Seenlandschaft, gesegnet mit Kunstwerken und allen Köstlichkeiten der Lombardei.
Das Herrschergeschlecht der Gonzaga hat diesem alten Etrusker- und Römerort vier Jahrhunderte lang seinen Stempel aufgedrückt – glücklicherweise hat die Familie nicht nur Condottieri, Kardinäle und Renaissancefürsten hervorgebracht, sondern bedeutende Kunstsammler. Deshalb ist ein Besuch im Palazzo Ducale an der ebenso sehenswerten Piazza Sordello schon fast die ganze Reise wert. Die Botschaft ist klar: Mantua mag keine militärische Großmacht sein, doch an Stil, Geschmack und Kultiviertheit kann es keiner mit den Gonzaga aufnehmen, nicht mal die Konkurrenten in Venedig oder Florenz.
Man kann die Stadt in zwei, drei Tagen für sich entdecken, sich im etwas abseits gelegenen Palazzo del Te von der Renaissance-Architektur und den Fresken überwältigen lassen, sich auf der Piazza delle Erbe ins Mittelalter zurückversetzen und im Archäologischen Nationalmuseum vor den „Amanti di Valdaro“, den „Liebenden von Valdaro“ niederknien (zwei Skelette in inniger Umarmung aus der Jungsteinzeit). Oder man bleibt ganz lässig neben den Einheimischen sitzen in einer der unzähligen Bars. Ins nächste gute Restaurant sind es von dort garantiert nur ein paar Schritte. Denn Mantua, das seit 2008 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt, ist auch ein Paradies für Genießer. Für Menschen, die es etwas langsamer und leiser mögen.
Unbedingt probieren: Torta Sbrisolona, ein ortstypisches Mürbegebäck mit Mandeln, besonders gut im „Pane al Pane“ in der Via S. Giorgio 10.
Nicht verpassen: Der Freskenzyklus des Künstlers Andrea Mantegna in der Camera degli Sposi im Palazzo Ducale ist eine grandiose Werbung für die Gonzaga – in puncto Modebewusstsein und Inszenierungskunst europäische Spitzenreiter im 15. und 16. Jahrhundert.
Christian Mayer
Tuscania, Italy
Manchmal muss man den Zufall das Leben übernehmen lassen. Zum Beispiel, wenn es anderswo tagelang nur regnet. Dann landet man vielleicht in der Tuscia, einer Region, von der man wirklich noch nie gehört hat. Gelegen zwischen Florenz und Rom wird sie gern übersehen, zu fest verankert ist im Urlauberhirn das Drumherum, der Dauerbrenner Toskana oder die Küste am Tyrrhenischen Meer. Was aber auch bedeutet: Hier lassen sich so entspannt Dörfer auf kantigen Tuffsteinfelsen entdecken wie sonst kaum in Italien. Kein Zufall war je schöner!
Auf der Suche nach den kulturellen Ursprüngen des alten Etruskerlandes geht es erst einmal unter die Erde. Mehr als 600 Gräber wurden auf dem Hügel der Nekropole „Monterozzi“ in Tarquinia gefunden, einige davon sind so fröhlich mit Löwen und Leoparden, Jongleuren und Flötenspielern ausgemalt, dass man eher an einen etruskischen Partyraum denkt als an eine Grabkammer.
Eine Mischung aus Disney- und Wunderland ist hingegen der „Sacro Bosco“, der heilige Wald.
Foto: robertharding/IMAGO
Eine Mischung aus Disney- und Wunderland ist hingegen der „Sacro Bosco“, der heilige Wald. Kurz hinter Bomarzo stehen riesige, in Stein gehauene Fabelwesen, darunter drachenartige Monster, haushohe Schildkröten, geflügelte Pferde. Der dicht bewachsene Park wurde im 16. Jahrhundert von dem Adeligen Vicino Orsini in Auftrag gegeben. Bis heute merkt man dem Bosco an, dass er lange in einem Dornröschenschlaf versunken war, erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde er „wiederentdeckt“, zu seinen Fans gehörte auch Salvador Dalí.
In Viterbo, der Stadt der Päpste, fand 1268 das längste Konklave aller Zeiten statt: 1005 Tage lang wurde darüber diskutiert, wer der nächste Papst wird. Erst als es nur noch Wasser und Brot gab, wurde man sich einig. Im weitläufigen Garten der Villa Lante nahe Viterbo ließen es sich dann diverse Kardinäle ab Mitte des 16. Jahrhunderts gutgehen. Dort springt die Fantasie in den Turbomodus – zwischen Springbrunnen und Wasserläufen, Grotten und Pavillons, inmitten eines Labyrinths aus perfekt gestutzten Hecken. Zur Einstimmung kann man sich die Miniserie „The Young Pope“ mit Jude Law als erstem US-amerikanischen Papst angucken, die hier gedreht wurde.
Unbedingt probieren: Zum Essen ins „Tredici gradi“, nicht weit vom Papstpalast entfernt, auf einen Teller Tortelli mit Funghi. Hausgemachte Slow Food Salami und Salsicce gibt es im hauseigenen Restaurant des Agriturismo Il Casaletto außerhalb von Viterbo.
Nicht verpassen: Keine Tuscia ohne Abstecher in das mittelalterliche Bolsena. Kaum woanders lässt es sich so entspannt durch enge Gassen schlendern wie in der Stadt am gleichnamigen See. Den sieht man am besten von der Rocca Monaldeschi aus, der Burg, die über allem trohnt. Mitbringsel: wirklich gutes „Nutella“ von einer der vielen Haselnussplantagen.
Julia Rothhaas