Nashville, United States
Im Jahr 1780 war Zentraltennessee noch überwiegend von Chickasaw bewohnt, bis sich an einem Uferstück des Cumberland Ri-ver, das bei den Trappern als French Lick bekannt war, einige weiße Siedler niederließen.
Sie errichteten Blockhäuser, die sie zur Abwehr von Indianern mit einem hohen Palisadenzaun umgaben, und nannten die Anlage Fort Nashborough.
Fort Nashborough wurde später Nashville genannt und entwickelte sich rasch. Bald wurde der fruchtbare Boden im Umland der Stadt kultiviert.
Zum Pelzhandel als wichtigstem Wirtschaftszweig kam der Handel mit Baumwolle, Tabak und Vieh, begünstigt durch die Lage am schiffbaren Cumberland-Fluss sowie am Indianer- und Handelspfad Natchez Trace.
Bodenspekulanten, Farmer und Pflanzer, darunter der spätere Präsident Andrew Jackson, fühlten sich von der Aufbruchsstimmung in der Stadt angezogen, kauften Land und ließen sich als Plantagenbesitzer nieder.
Erst 1843, nachdem mehrere Orte als provisorischer Regierungssitz des Bundesstaates fungiert hatten und die Bewohner im Nordosten 1784 sogar einen eigenen Staat ausgerufen hatten, wurde die aufstrebende Metropole Nashville zur Hauptstadt von Tennessee.
(S. 414 Dumont)
Still going strong - Country & Western
Wer durch die Südstaaten der USA fährt und das Autoradio einschaltet, wird höchstwahrscheinlich einen C & W-Sen-der hören. In Tennessee widmen sich vier von fünf Radiostationen ausschließlich der Countrymusik. Nashville ist noch immer ihr Mekka. Hier leben zahllose Musiker, sind Plat-tenlabels, Produktionsfirmen und Studios zu Hause. In Nashville ist Country & Western Big Business.
Die Wurzeln und Verästelungen des Country & Western sind nicht leicht zu verfolgen.
Balladen der coal miners aus den Bergbauregionen von XY Kentucky und West Virginia, Lieder der truck drivers, die Train- und Hobo-Songs oder die gesungene cowboy poetry erzählen nicht nur von Herz und Schmerz, sondern auch von Arbeit, sozialen Widersprüchen und Armut.
Hillbilly, die Musik der ›Hinterwäldler‹, wurde schon in den 1920er-Jahren kommerziell gespielt, der Begriff der Countrymusik setzte sich jedoch erst in den 1950er-Jahren durch. Einen nicht unerheblichen Anteil an ihrer Popularisierung hat die Verbreitung über das Radio gespielt, vor allem durch die Musiksendungen aus der Grand Ole Opry in Nashville. Deren Shows werden bereits seit mehr als 70 Jahren im Radio übertragen. Zunächst produzierte der Sender WSM sein Programm als barn dance aus einer Scheune, bis 1974 war das Ryman Auditorium im Stadtzentrum die groBe Bühne der sonnabendlichen Country & Western Show, dann zog der Tross ins Music Valley, in einen großen Neubau an den nördlichen Stadtrand. Wer in der ›GO0‹ auftreten darf, gehört zu den Stars der Countrymusik oder zu ihren vielversprechenden Talenten.
Doch diverse Bühnen in der Stadt bieten Musikern zusätzlich Auftrittsmöglichkeiten, auch im restaurierten Ryman Auditorium. Wer noch keine hochdotierten Plattenverträge besitzt, hat die Chance auf Showbooten oder in einem der vielen Clubs aufzutreten. Für andere sind abends Straßenecken im Zentrum die Bühne und die Passanten das Publikum.
Als die Produktionen aus der Music City in den 1970er-Jahren zum sterilen, austauschbaren Hit-paradensound degenerierten, entwickelten sich abseits der routinierten Musikmetropole neue Trends und Gruppen. Die ›Outlaws Willie Nelson oder Waylon Jennings, später Steve Earl, Dwight Yoakam, Townes Van Zandt oder Lyle Lovett nahmen Anregungen aus anderen Musikrichtungen auf und mischten respektlos Elemente des Blues, von Tex-Mex, Rock , Calypso, ja der Reg-gae-Musik mit bewährten Countryrhythmen. Die Musikindustrie von Nashville setzt nach einer Krise in den 1980er-Jahren heute mehr als 500 Mio. S um, rund 10 Mio. Countryfans besuchen aljährlich die Stadt. Neben neueren Gruppen und Interpreten wie Tim McGraw, den Sons of the Desert, Wynonna, Shania Twain, Alan Jackson, Keith Urban, Taylor Swift, Carrie Underwood, die Rascal Flatts oder Beast of Burden werden noch immer Johnny Cash, Loretta Lynn, Dolly Parton, Kris Kristofferson, Little Jimmy Dickens oder andere Countryklassiker gespielt.
(S. 418 Dumont)